Berge, Flüsse und huacas. Eine andere Historizität der andinen Kolonialgeschichte

Für Jahrzehnten war es ziemlich unwahrscheinlich, dass ein:e Historiker:in «Natur» als mögliche Akteurin des historischen Geschehens betrachten würde. «Natur» war kein Gegenstand der Geschichtsschreibung. Heutzutage wird die Agency von nichtmenschlichen Akteuren zwar kaum abgestritten - Human-Animal Studies, New Materialism sowie Science and Technology Studies vertiefen allmählich ihren Einfluss auf die Geisteswissenschaften. Dennoch ist die Kolonialität der Geschichte in vielen Aspekten weiterhin unberührt. Eine tatsächliche Inklusion des Nichtmenschlichen würde nämlich das Konzept der Geschichte ändern. Eine posthumanistische Idee von Geschichte ist also nur möglich, wenn wir den Begriff der Geschichte dekolonisieren. In diesem Sinne unternimmt das Paper eine dekoloniale Annäherung an die andine Geschichtsidee und deren Umgang mit Materialität, Körperlichkeit und Natur. Ausgehend einer dekolonialen Lektüre der indigenen und spanischen Autoren des 17. Jahrhunderts im Vizekönigreich Peru analysiert das Paper die Rolle des Nichtmenschlichen (sowie Nichthistorischen) bei indigenen Geschichtsauffassungen und setzt sich zum Ziel, die neuen posthumanistischen Theorien zu reflektieren und darauf aufbauend geschichtstheoretische dekoloniale Überlegungen zu postulieren.

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