Die Abschaffung der Mittelwaldwirtschaft – Das Ende einer Waldnutzungsform im Kontext der Ökonomischen Aufklärung

Waldbesucher wissen heute oft nicht, dass die Waldbilder, die sie dort wahrnehmen, historisch gesehen etwas absolut Neues darstellen. Jahrtausendelang herrschten – abhängig von den jeweiligen Ansprüchen der Gesellschaft – ganz andere Waldbewirtschaftungsmethoden und somit Waldbilder vor. Eine von ihrer Verbreitung her erfolgreichste Form war die sogenannte Mittelwaldwirtschaft. Bei dieser Bewirtschaftungsform entsteht ein äusserst vielschichtiger Wald, dessen unterste Schicht aus allen 10-30 Jahren geernteten Stockausschlägen besteht und von vielen, plenterhaft bewirtschafteten Oberholzschichten locker überdeckt wird. Er war in der Lage, die vielfältigen Bedürfnisse von Subsistenzgesellschaften am Wald in idealerweise zu befriedigen, was sich auch darin ausdrückt, dass er seit über 6000 Jahren nachweisbar ist. So war noch um 1800 die Waldfläche des späteren Deutschen Reiches bis zu 2/3 von Mittelwald oder von mit ihm nah verwandten Beständen geprägt. Um 1900 betrug dieser Anteil allerdings nur noch 5%. Was war also geschehen? Der angedachte Beitrag soll der herrschaftlich und staatlich gesteuerten Abschaffung des Mittelwaldes auf den Grund gehen. Dabei ergibt sich ein eng verwobenes Netz, bestehend aus: der Verwissenschaftlichung des Forstwesens, zahlreichen konkurrierenden Nachhaltigkeitsvorstellungen und deren Umsetzung im Kontext herrschaftlicher Machtansprüche, sowie dem daraus resultierenden Wandel waldbaulicher Moden und der Diffamierung des Mittelwalds.

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