Organized by
LogoSchweizerische Gesellschaft für Geschichte
Logo Universität Lausanne
Supported by
Logo Universität Lausanne
Logo Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Logo Schweizerischer Nationalfonds
Logo Universität Lausanne
Logo Société Académique Vaudoise
Logo Fondation pour l'Université de Lausanne
Logo Mnémo-Pôle
Logo Fondation Pierre du Bois
Sponsored by
Logo Universitäre Fernstudien
Logo Ville de Lausanne
Logo Canton de Vaud
Logo Schwabe AG

Wissen und (Ohn)Macht in der Erdbebenüberwachung im 20. Jahrhundert

Im Umgang einer Gesellschaft mit der Erdbebengefährdung werden auch Machtstrukturen ausgehandelt – mit unterschiedlichen Resultaten. Dies zeigen etwa die verschiedenen Reaktionen auf die beiden zerstörerischen Erdbeben von 1906 in San Francisco und Chile auf. Während sich in deren Folge die Erdebenüberwachung und –vorsorge in Chile zu einer normativen Staatsaufgabe entwickelte, verlief in Kalifornien die Etablierung von Baustandards mangels starker staatlicher Akteure weitgehend im Sande.

Auch in der Schweiz zählen Erdbeben zu den grössten Naturrisiken. Zwar sind starke Beben hier relativ selten, doch haben sie ein immenses Schadenspotential. Dabei hat sich das Risiko u. a. wegen des Bevölkerungswachstums und des hohen Industrialisierungsgrades im letzten Jahrhundert akzentuiert. Auch hier entstand an der Wende vom 19. zum 20. Jh. eine Erdbebenbehörde, die sich – zunächst als ehrenamtliche Erdbebenkommission gegründet – als Schweizerischer Erdbebendienst (SED) zur Staatsaufgabe wandelte. Anhand der wissensgeschichtlichen Wandlungsprozesse der Erdbebenüberwachung in der Schweiz lassen sich institutionelle Regulierungsmacht bzw. -ohnmacht und die Wechselwirkungen von Risikodiskurs, gesellschaftlichem Kontext und politischer Einflussnahme exemplarisch nachvollziehen.

Lag der Fokus des jungen SED noch auf dem Aufbau eines ersten Mess-Netzwerks, so beschränkte er sich später – v. a. aufgrund knapper Ressourcen und fehlendem Machtinteresse – zunehmend auf die „Verwaltung“ der Erdbebentätigkeit. Die Aufnahme der Seismologie im Sinne von Gefährdungsstudien sowie ein massiver Ausbau des Stationsnetzes geschah erst unter dem kombinierten Eindruck aktueller Naturereignisse, der „Risikogesellschaft“, kritischer Infrastrukturen, den damit verbundenen politischen Einflussnahmen und neuen Finanzierungsmöglichkeiten. Zwischen dem Machtwissen der Experten sowie den Machtinteressen der Geldgeber und der politischen Akteure tut sich seither ein produktives Spannungsfeld auf.

ReferentIn


Tagungsorganisation: Schweizerische Gesellschaft für Geschichte und Historische Institute der Universität Lausanne | Kontakt