Reste und Ressourcen. Regulierungen von Stoffströmen im 20. Jahrhundert

Alle Gesellschaften erschließen, handeln, nutzen und entsorgen Ressourcen. Seit dem 19. Jahrhundert haben sich dabei komplexe Abhängigkeiten und Konflikte entwickelt. Denn Ressourcen sind nicht einfach natürlich gegeben. Ihre Gewinnung, Verarbeitung und Entsorgung sind Gegenstand sozialer Aushandlung. Dabei entstehen Knappheit und Überfluss gleichermaßen, was neue Ungleichheiten schafft oder alte zementiert; die Verhältnisse zwischen Menschen und Natur, Umweltverschmutzung und Umweltschutz, Risikobewusstsein und Gefahrenprävention wandeln sich; eine maßgeblich durch Menschen geformte, an Ressourcengewinnung und -verteilung orientierte Natur entsteht.

Vor diesem Hintergrund beleuchtet das vorgeschlagene Panel Formen der Regulierung, Verwaltung und politischen Gestaltung von Ressourcen und Stoffströmen. Im Zentrum stehen Elemente und Folgen der Aushandlung von Verfügbarkeit, Verantwortung und Profit. Die Vorträge folgen dabei der Hypothese, dass unterschiedliche soziale Konfigurationen Ressourcen in spezifischer Weise gestalten – und umgekehrt: Was eine Ressource und was Abfall ist, ist historisch kontingent. Ein Stoff wird unter bestimmten ökonomischen, politischen, wissenschaftlich-technischen oder kulturellen Bedingungen zu einer Ressource und kann diesen Status auch wieder verlieren. Nicht weniger wichtig ist daher ebenso der Umgang mit Überbleibseln und Abfallprodukten, welche eine Gefahr für die Umwelt darstellen können und neue Ströme erschaffen, um diese ‚Reste‘ zu entsorgen oder unschädlich zu machen.

Mögliche Gegenstände, ergänzend zu den bereits bestätigten Referaten, sind Stoffströme in der modernen Montanindustrie oder Klimapolitik, in der Pharmazie oder auch in der Produktion von Mikrochips. Relevante Aspekte, die es dabei zu berücksichtigen gilt, wären beispielsweise:

Regime der Ressourcenverteilung

Gewinnung von Stoffwissen, etwa über Endlichkeit oder Schädlichkeit

Funktionen und Folgen von Techniken in Stoffströmen

Soziale und materielle Herstellung von Stoffkreisläufen

Politik der Abfallentsorgung

Vor diesem Hintergrund thematisiert das Panel einerseits, wie Menschen Stoffströme lenkten; andererseits betrachtet es Stoffe und die natürliche Umwelt als historische Akteure, an die sich soziale Praktiken anpassen mussten. Es leistet damit einen Beitrag zu einer Umweltgeschichte, die mit Fragen der Materialität und sozialen Praxis verknüpft ist. Diese Ausrichtung kann in einem weiteren einzuwerbenden Vortrag durch wirtschaftshistorische Perspektiven ergänzt werden.

Vorgesehene Referate:

Julian Schellong (TU Darmstadt), Die Kommodifizierung von CO2. Politische Konstruktion von Knappheit im Kyoto-Protokoll

Simone Müller (LMU München/Rachel Carson Center), Von Schlupfloch zu Schlupfloch: Zur Regulierung der globalen Müllökonomie seit den 1970er Jahren

Vorgesehener Kommentar: Nicolai Hannig (TU Darmstadt)

Es steht noch ein Platz zur Verfügung, der durch den Call for Papers zu bestimmen ist.

Verantwortung