Tempo des Lebens: Zeit und Geld im historischen Alltag

Donnerstag, 6. Juni
09:15 bis 10:45 Uhr
Raum KO2-F-175

Georg Simmel machte 1900 in seiner «Philosophie des Geldes» auf den Zusammenhang von Geld, Zeit und Alltagsgeschehen aufmerksam. Seine zentrale These lautete, dass Geld und insbesondere zunehmender Geldverkehr das Zusammenleben und die gesellschaftlichen Ordnungen umzukrempeln vermögen. Die Ordnungsfunktion des Geldes, so Simmel, würde sich in «Differenzgefühlen und psychischen Chocs» zeigen, die als Beschleunigungserfahrung empfunden und als akzelerierten sozialen Wandel wahrgenommen werden. Zugleich aber bewirke, so Simmel, das paradoxe Wesen des Geldes als «absolutes Mittel» eine potenziell unendliche Ausweitung von Zweckreihen, und schliesslich liefere es obendrauf ein «Superadditum des Reichtums», das sich in gesellschaftlicher Anerkennung äussere. Eine Wechselwirkung aus Intensivierung und Tempozunahme einerseits, Distanzierung und Glättung der Rhythmen des sozialen Lebens andererseits seien die Folge, behauptete der für sein seismisches Gespür bekannt gewordene Soziologe.

Für HistorikerInnen ist Simmel gleichermassen Quelle wie theoretische Orientierung. Die vier Kurzvorträge des Panels prüfen und modifizieren mit historischen Fallstudien die soziologische These vom Geld als Faktor im «Tempo des Lebens». Dazu fokussieren sie unterschiedliche Momente und Räume, in denen Geld wirksam wurde und fragen, über welche Praktiken und Institutionen das Medium Geld Gesellschaften temporalisierte.

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