Materieller Reichtum in christlichen Frauenklöstern und -stiften im mittelalterlichen Europa

Unabhängig von Ort und Zeit stehen Klöster für die Abkehr von der Welt, den Rückzug in die Ruhe und das Gebet. In dieser oftmals als Parallelwelt wahrgenommenen Umgebung ist der immaterielle Reichtum das wohl höchste Gut. Vor diesem Hintergrund wird allzu häufig vergessen, dass auch Klöster, wie jede andere Gemeinschaft auch, gezwungen sind, sich zu finanzieren und materiell zu unterhalten – und zwar mit den gleichen Mitteln, die auch ausserhalb ihrer Gemeinschaft dafür eingesetzt werden. In diesem Sinne ist jedes Kloster ein Unternehmen, bei dem die Ausgaben die Einnahmen nicht überschreiten dürfen. In der Interaktion über die – materiellen sowie nicht-materiellen – Mauern hinweg entstehen Quellen, die Einblicke in eine Welt erlauben, welche den Laien normalerweise verschlossen bleibt.

Wird das Feld auf das christliche Europa des Mittelalters eingeschränkt, ergeben sich neben zeitlichen, geographischen und gesellschaftlichen Fragen des wirtschaftlichen Funktionierens eines Klosters auch ordensspezifische Fragen. Bei einer Beschränkung auf Frauenklöster werden die Hürden für diese Institutionen, eigenständig zu wirtschaften und auf diesem Weg materiellen Reichtum anzusammeln, weitaus zahlreicher und höher – nur schon darum, weil Frauen bis weit in die Neuzeit hinein nur über eine eingeschränkte Selbstständigkeit in Rechtsgeschäften verfügten und als Nonnen meistens durch strenge Klausurvorschriften in ihrer physischen Beweglichkeit beschränkt waren.

All diesen Schwierigkeiten zum Trotz erreichten Frauenklöster immer wieder einen beachtlichen materiellen Reichtum, welcher sich in den verschiedensten Formen manifestieren konnte: in Grundbesitz an Bauernhöfen, Äckern und Rebbergen; in grossen und kleineren Bau- und Kunstwerken, Gemälden und Zeichnungen; in Bibliotheken und Archiven; in Eigenleuten; in Kleidern und Gewändern; und nicht zuletzt in Bargeld. Mit diesem – mehr oder weniger öffentlich zur Schau gestellten – materiellen Reichtum ging meistens eine Machtposition einher, die selbst mehr oder weniger offen sichtbar war. Frauenklöster und -stifte konnten aus eigener Kraft und Initiative durchaus Grundherrschaften aufbauen und verwalten, die auf mehreren Ebenen mit jenen von Städten vergleichbar waren.

In diesem Panel soll der – entgegen vielen Klischees – sehr wohl vorhandene materielle Reichtum in christlichen Frauenklöstern und -stiften im mittelalterlichen Europa sowie dessen Zusammenspiel mit Macht im Zentrum stehen.

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