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An der Schnittstelle von Natur und Gesellschaft. Epidemien von der Frühen Neuzeit bis ins 21. Jahrhundert in Europa

Die Aufarbeitung vergangener Epidemien hat gezeigt, dass Wechselwirkungen zwischen Wirt, Agens und Umwelt zentral für deren Verbreitung sind. Dennoch hat sich die Geschichtswissenschaft lange nur auf einzelne Aspekte fokussiert: der Mensch als Objekt oder Akteur von Epidemien. Die neuere Geschichtswissenschaft versucht hingegen Infektionskrankheiten im breiteren Kontext der Natur einzuordnen. Forschungsbereiche wie «One Health» eröffnen zudem neue Perspektiven. Dieser Ansatz untersucht die gesundheitlichen Probleme an der Schnittstelle Mensch, Tier und Umwelt.

Menschliche Lebensweisen und Eingriffe in die «Natur» begünstigen die Entstehung und Verbreitung von Infektionskrankheiten. Umweltzerstörung, Massentierhaltung, beschleunigte Mobilität sowie dichtes Zusammenleben von Menschen und Tieren stellen Gesellschaften vor neue sanitarische Herausforderungen. Entsprechend prägen Epidemien, Epizootien und Zoonosen die Geschichte aber auch die Zukunft menschlicher Gesellschaften – trotz der Versprechen der «epidemiological transition» der letzten Jahrzehnte.

Im 19. Jahrhundert hat sich eine Trennung zwischen der Gesundheit der Menschen und der Tiere gefestigt. Beide Bereiche sind zu Objekten unterschiedlicher Institutionen geworden, die sich immer mehr auseinanderentwickelt haben. Der Fokus auf Krankheiten wie Cholera und Rinderpest, sowie der unterschiedliche Umgang mit Epidemien und Epizootien hat dazu beigetragen, dass die Berührungspunkte in den Hintergrund getreten sind. Diese Dynamik entstand, obwohl Krankheiten wie (Kuh-)Pocken und Tollwut, sowie die entstehende Bakteriologie, die Tiere für die Erforschung benötigt, auf Brücken zwischen Menschen und Tieren deuteten. Das Panel möchte in Anlehnung an den «One Health» Ansatz diese künstliche Trennung von «Natur» und Gesellschaft in Frage stellen.

Der erste Vortrag des Panels (Chantal Camenisch, Unibe, de) beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von Grenzen und Überschneidungen zwischen Natur und Gesellschaft im Hinblick auf Epidemien, Epizootien und Zoonosen in der Frühen Neuzeit in Bern und in York, UK. Anhand von Stadtratsprotokollen wird untersucht, inwiefern die Menschen Krankheiten von Menschen und Tieren verbunden haben und wie sich dieser Zusammenhang oder Gegensatz in der Bekämpfung der Pest manifestierte.

Der zweite Vortrag (Séveric Yersin, Unibas, fr) fragt, wie gesellschaftliche Strukturen einen idealen Rahmen für Zoonosen bilden können, und wie diese Strukturen geändert werden können, um die Zoonosen unter Kontrolle zu bringen. Am Beispiel der Tollwut in der Schweiz des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird untersucht, wie strukturelle und wirtschaftliche Veränderungen die Verbreitung dieser übertragbaren Krankheit befördern konnten, sodass ein wachsender Anteil der Bevölkerung sich dadurch bedroht fühlte und den Staat zu intervenieren bewegte.

Der dritte Vortrag (offen) soll einen weiteren Aspekt der künstlichen Trennung von Natur und Gesellschaft im Hinblick auf Infektionskrankheiten beleuchten.

Es steht noch ein Platz zur Verfügung, der durch den Call for Papers zu bestimmen ist.

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